TikTok mischt sich ein

Von Tanz zu Gesellschaftspolitik

12. Oktober 2020 | 19:00 Uhr | Online bei Zoom und als Livestream bei YouTube und Facebook
Gast: Onkel Banjou (Deutschrap-Newcomer, Tik Tok Creator und Entertainer) Johannes Ruisinger (CTO und Co-Founder der weCreate GmbH) Andrea Rungg (Senior Director Communications TikTok, Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande)
Moderation: Jannis Schakarian (Strategischer Formatentwickler des ZDF)

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Von der Unterhaltung zur Wissensplattform

Der Entwicklung von TikTok werden sich die Medien stellen müssen

TikTok ist auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft, es bietet inzwischen einen breiten Themenfächer an, die ursprüngliche Nutzergruppe der Teenager wird älter und immer mehr Unternehmen interessieren sich dafür. Dieses Resümee hat der Creator und Data-Analyst Johannes Ruisinger auf der Online-Netzwerkveranstaltung des FPC gezogen, die in Kooperation mit der Evangelischen Akademie und dem Hessischen Rundfunk stattfand. Die Pressesprecherin von TikTok, Andrea Rungg, berichtete, die Plattform habe sich ursprünglich der Unterhaltung verschrieben und wollte politisch abstinent sein. Grund dafür sei vor allem die Sorge gewesen, für die Gesellschaft einen ähnlich spaltenden Effekt zu erzielen wie Facebook oder Twitter. Politisch bezahlte Anzeigen gebe es nach wie vor nicht auf der Plattform, aber das Unternehmen habe sich inzwischen Richtlinien gegeben, in denen es für Diversität, gegen Rassismus, Gewalt und Pornografie Stellung bezieht. Laut Andrea Rungg weist der halbjährlich erscheinende Transparenzbericht von TikTok aus, dass 100 Millionen Posts mit solchen Inhalten nicht ausgespielt worden sind. Auf die Frage des Moderators Jannis Schakarian nach der Rolle der Plattform in den US-Wahlen meinte Rungg, TikTok habe ein eigenes Info-Portal erstellt und führe die Nutzer bei politischen Inhalten auf Seiten mit nützlichen und sachlichen Informationen. Werte wie respektvoller Umgang und Antirassismus sind auch dem mit 1,4 Millionen Followern sehr erfolgreichen Creator Onkel Banjou äußerst wichtig, der sich in der Kampagne Black Lives Matter sehr engagiert. Eine Zusammenarbeit mit anderen Creatorn, die es in dieser Hinsicht nicht so genau nehmen, könne er sich nicht vorstellen. Da sein Credo lautet Good Vibes Only, würde er eine Kritik an anderen Inhalten jedoch immer in einen humorigen Kontext stellen. Moderator Schakarian wollte wissen, welche Inhalte auf TikTok fehlten. Rungg befand, es gebe inzwischen alles auf der Plattform von Bildungsinhalten bis Rechtsberatung. Banjou sah die Ausweitung von reiner Unterhaltung zu einer Wissensplattform, manche Beiträge seien hervorragend für die Plattform geeignet wie die Rechtsberatung von „Herr Anwalt“, andere hätten das Format nicht verstanden und könnten daher auch keinen Erfolg verbuchen. Auf die Frage nach der Zukunft von TikTok machte Johanes Ruisinger als aktuellen Trend eine stärkere Regionalisierung der Beiträge aus. Andrea Rungg ergänzte, manche Inhalte würden international gut laufen wie etwa Videos über Pannen, manche aber seien an die kulturellen Besonderheiten der jeweiligen Länder gebunden. So werde zum Beispiel in Japan der körperliche Tanz in Fingertanz verwandelt. Der Abend hat mit exzellenten Fachleuten einen vertiefte Einblicke in die Welt von TikTok gegeben, die die Medien mit Sicherheit noch intensiv beschäftigen wird.


Hier könnt ihr euch die Veranstaltung in voller länge anschauen!


Text: mü

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