Influencer – eine neue Art des Journalismus?

Community, politische Botschaften, Werbung

31. März 2020 | 19 Uhr | Online
Gast: Stefanie Michels (Koordinatorin Social Media – F.A.Z.) / Philip Papendieck (Mitbegründer & CEO der Influencer-Agentur INTERMATE) / Torben Platzer (Co-Founder der Medienagentur TPA Media)
Moderation: Alisa Türck (Gründerin der Unternehmensberatung TÜRCK GmbH - The Game Changer Company)

Beide können voneinander lernen

Online-Veranstaltung zum Verhältnis Influencer und Medien

Irgendwie müssten auch Journalisten Influencer werden und sich mit Themen wie Community-Building auseinandersetzen, meinte Stefanie Michels, Social Media Koordinatorin der F.A.Z., bei der Online-Veranstaltung des FPC. Auch die klassischen Medien könnten sich nichtmehr damit begnügen, einfach zu senden. Im Kampf um die Aufmerksamkeit müssten Redakteure dem Bedürfnis der Menschen nachkommen, dass diese mit Personen und nicht mit Unternehmen kommunizieren wollten. Auch bei den Redakteuren werde der Wandel in der Kommunikation zunehmend wahrgenommen und die Reichweite erfolgreicher Influencer wecke bei manch einem Journalisten Begehrlichkeiten. Allerdings sei den Wenigsten klar, welcher Aufwand damit verbunden sei. Social Media bedeute Marathon und nicht Sprint. Philip Papendieck hob auf die Fähigkeit der Influencer ab, Themen unterhaltsam und ansprechend darzustellen. Zum Beispiel habe ein Influencer die Notwendigkeit von Investitionen im Bildungswesen durch ein kleines Quiz kommuniziert. Die Follower sollten von zwei Bildern heruntergekommener Schulen raten, welche in Berlin und welche in Tschernobyl stehe. Natürlich zeigten beide Abbildungen Berliner Schulen. Wenn seine Agentur Aufträge für politische Themen annehme, suche sie für die Umsetzung nicht bei den politischen Influencern, sondern bei denjenigen, die große Reichweiten hätten und die Sprache der jeweiligen Zielgruppen sprächen. Torben Platzer zeigte sich optimistisch, dass sich auf dem Markt die Expertise zu einzelnen Themen durchsetze. In der Community spreche sich schnell herum, wer zu welchem Thema Fachkompetenz besitze. Wenn einer als Hobby Fitness habe und dann auch darauf verweise, welches Produkt er zur Unterstützung nehme, sei dies glaubwürdig. Nicht gut komme es dagegen an, wenn er dann auch für Anti-Aging-Cremes werbe. Moderatorin Alisa Türck wollte wissen, ob sich denn die Influencer ihres großen Einflusses und ihrer Vorbildrolle bewusst seien. Natürlich gehe insbesondere bei den Jüngeren manch unbedachter Satz nach draußen, meinte Platzer. Aber generell nehme eine kritische und selbstkritische Haltung zu. So tauchten bei Instagram vermehrt wieder „normale“ Bilder auf, die nicht nach exzessivem Schminken oder im Foto-Shop entstanden seien. Papendieck ergänzte mit der Beobachtung, dass inzwischen häufig Influencer die Arbeit für problembehaftete Marken ablehnten, auch wenn natürlich auch weiterhin viele für Geld die eigene Überzeugung zurückstellten. Einig war sich die Runde in der Einschätzung, dass die klassischen Medien unverzichtbar blieben und eben nicht jede Nachricht auch unterhaltsam verpackt werden könne. Von den Journalisten könnten Influencer die genaue Recherche lernen. Nach eineinhalb Stunden eines sehr dichten Gesprächs mit weit über hundert Zuschauern und Teilnehmern fand die erste Online-Veranstaltung des FPC ihr Ende.


Hier könnt ihr euch die Veranstaltung in voller länge anschauen!


Text: mü

Mit freundlicher Unterstützung von