Erfindet sich der Journalismus neu?

Das geht in der Medien Start-Up-Szene

14. Mai 2019 | 19 Uhr | WeWork, Taunusanlage 8, 60329 Frankfurt am Main
Gast: Felix Friedrich (Geschäftsführer von The Buzzard), Sarah Heil (Geschäftsführerin von Merkurist), Marcus von Jordan (Geschäftsführer von piqd), Sarah Kübler (Geschäftsführerin von HitchOn), Cordt Schnibben (Leiter der Reporterfabrik)
Moderation: Tamara Marszalkowski (Freie Journalistin und FPC Vorstandsmitglied)

Neue Wege bei den Medien Start-Ups

Mit einer stärkeren Einbeziehung der Leser in das Entstehen ihrer Online-Publikation gehen die Macher des Merkurist neue Wege. Geschäftsführerin Sarah Heil stellte das Projekt als Plattform vor, bei der die Leser aktiv an der Entstehung der Publikation teilnehmen, sei es durch Themenvorschläge oder auch durch Abstimmungen über die Relevanz von Themen. Das Leservotum ist also häufig der Anstoß, dass die Merkurist-Redaktion über ein Thema recherchiert. Das Online-Medium für lokale Nachrichten ist bereits für die Städte Frankfurt, Mainz, Wiesbaden, Kaiserslautern und Idar-Oberstein verfügbar. Das Geschäftsmodell scheint aufzugehen, der Merkurist wächst stetig. Die FPC-Netzwerkveranstaltung hat einen Einblick in die Start-Up-Szene in der Medienlandschaft gegeben, welche Ideen und Geschäftsmodelle die Newcomer entwickeln, um dem Journalismus eine Zukunft zu geben.

Marcus von Jordan stellte als Geschäftsführer von Piqd gleich zwei weitere Start-Ups vor, die er mitgegründet hat. Piqd ist eine Plattform für kuratierte Artikel. Dort präsentieren 120 bezahlte Kuratorinnen und Kuratoren Inhalte und begründen, wieso sie diese für relevant halten. Darüber hinaus arbeitet von Jordan auch an dem Journalistenportal torial und mojoreads – einem sozialen Netzwerk und Marktplatz für Literatur. Von Jordan hat allerdings als einziger Unternehmer an diesem Abend das Glück bei seinen Gründungen die Schwingenstein-Stiftung als Investor an Bord zu haben – womit er aus einer sehr viel privilegierten Position heraus agieren kann.

Das Medien Start-up HitchOn war im Vergleich zu den anderen Unternehmen am weitesten vom Journalismus entfernt. Geschäftsführerin Sarah Kübler stellt das Unternehmen, das sich auf Influencer-Marketing spezialisiert hat, vor. Allgemein gesagt verbindet das Start-up Unternehmen mit Influencern. Doch HitchOn begleitet die Unternehmen auch bei der Konzeption, Ausführung und Auswertung von Kampagnen. Start-Up ermittelt den Influencer, der auf das jeweilige Produkt passt, unterstützt beim Entwerfen eines zielgruppenspezifischen Konzepts und berücksichtigt dabei die Marke der Firma, die gewünschte Ausspielplattform samt Zielgruppe.

Cordt Schnibben verfolgt mit der Reporterfabrik hingegen ein eher gesellschaftliches Ziel. Die Online-Plattform bietet Kurse in unterschiedlichen journalistischen Disziplinen an wie Reportage, Interview und viele mehr. Über Videotutorials lernen die Nutzer Kenntnisse kennen und können ihre Kompetenzen anhand von Übungen vertiefen. Die Plattform richtet sich zwar auch an Journalisten, soll aber besonders Interessierten die Arbeitsweisen des Journalismus näherbringen und Medienkompetenz vermitteln. Die Kurse werden teilweise kostenlos und teilweise zu kleinen Preisen angeboten. Die meisten Beteiligten wirken ehrenamtlich mit.

Felix Friedrich präsentierte das Start Up The Buzzard, auch eine Online-Plattform für kuratiertes Lesen, die sich jedoch auf Debatten spezialisiert hat. Es präsentiert sich als „Meinungs- und Debattennavigator“. Dort werden den Nutzern von einem Team von Kuratoren gegensätzliche Standpunkte empfohlen, die gerne auch mal kontrovers sein können und Debatten in ihrer Tiefe abbilden sollen. Politik-Themen sollen möglichst vielseitig beleuchtet werden, dadurch will das Start Up Filterblasen durchbrechen. The Buzzard arbeitet im Gegensatz zu den anderen Start Ups jedoch noch an seinem Wachstum. Bisher hat es 150 zahlende Abonnenten.


 
 

 

Text : Ronja Merkel & Tamara Marszalkowski

Fotos © Rainer Rüffer

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