Fluch oder Segen?

Migrationsgeschichte von Journalistinnen

24. September 2018 | 19 Uhr | Regionalverband FrankfurtRheinMain, Poststraße 16, 60329 Frankfurt am Main
Gast: Hadija Haruna-Oelker und Canan Topçu
Moderation: Corina S. Socaciu

Foto © Rainer Rüffer

Mehr Vielfalt in den Redaktionen wäre eine Bereicherung

„Da schicken wir das Türkenmädchen hin.“ Als Canan Topçu sich diesen Satz in den neunziger Jahren oft anhören musste, hat sie ihn kaum zur Kenntnis genommen und einfach weggewischt. Damals hatte sie die Haltung, „denen zeige ich es, ich werde mich behaupten“. Heute würde sie gegen solche Sprüche klagen. Mit diesem Beispiel zeigte die in der Türkei geborene Journalistin, dass sich in den vergangenen Jahrzehnten das Bewusstsein über Migration stark verändert hat. Dennoch spiegeln die Zusammensetzungen der Redaktionen heute nicht annähernd die gesellschaftliche Realität wieder. Nach unterschiedlichen Schätzungen beläuft sich der Anteil von Journalistinnen und Journalisten mit Migrationshintergrund in den Redaktionen auf rund fünf Prozent, während der Anteil von Bürgern mit Migrationshintergrund in der gesamten Gesellschaft über zwanzig Prozent beträgt. Dass es jedoch eine ganze Reihe prominenter Journalisten mit Migrationshintergrundgebe, sei zumindest zum Teil auch der intensiven Lobby-Arbeit des Vereins Neue Deutsche Medienmacher zu verdanken, der sich für die Vielfalt in den Redaktionen einsetze, meinte Topçu. Migrationsgeschichten von Journalistinnen standen auf der FPC-Netzwerkveranstaltung in den Räumen des Regionalverbandes im Fokus.

Von einem Migrationsvordergrund in ihrem Falle sprach Hadija Haruna-Oelker, die als Schwarze in Deutschland geboren ist. Sie berichtete, in sämtlichen Redaktionen, in denen sie bisher gearbeitet habe, habe sie – in der Regel unausgesprochenen - Widerstand gegen ihre Anwesenheit gespürt. Oft galt sie als Fremde als „Elefant“ im Raum. Gelegentlich wurde sie auch als Expertin für alles Exotische angesehen, und hörte Bemerkungen wie „Du sprichst doch afrikanisch.“ Moderatorin Corina S. Socaciu hatte die Frage aufgeworfen, ob denn eine Quotenregelung für Stellenbesetzungen in den Redaktionen wünschenswert seien. Die Podiumsgäste gaben jedoch zu bedenken, das Wichtigste sei eine Verbesserung des Bewusstseins, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine Bereicherung unserer Gesellschaft und damit auch der Medien bedeuteten. Eine Quotenregelung bringe die Gefahr mit sich, dass die Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund sich dann anhören müssten, sie seien eigentlich nicht gut qualifiziert sondern lediglich Quotennutznießer. In der Publikumsdiskussion kam dann auf, eine Quotenregelung könne nur sinnvoll sein, wenn sie die Formulierung beinhalte „bei gleicher Leistung“ werde der Bewerber mit Migrationshintergrund bevorzugt.


 
 


Text: mü
Fotos © Rainer Rüffer

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