Internet killed the TV-Star (?)

Die Zukunft des linearen Fernsehens

20. März 2018 | 19 Uhr | Historisches Museum, Saalhof 1, 60311 Frankfurt
Gast: Dr. Eckart Gaddum (Leiter der Hauptredaktion Neue Medien im ZDF), Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Medienwissenschaftler Goethe-Universität Frankfurt), Eberhard Volk (Geschäftsführer RTL Hessen)
Moderation: Katharina Bruns (Chefredakteurin Sonderpublikationen beim Journal Frankfurt)

Überraschende Stabilität des Fernsehmarktes – aber die Technik für eine mögliche Medienrevolution ist schon vorhanden

Mit Blockchain gebe es schon die Technik für eine weitgehende Umwälzung der Medienwelt. Derzeit fehle es aber noch an den Geschäftsmodellen. Dieser möglichen Revolution würden dann auch Großunternehmen wie Google oder Faceboook zum Opfer fallen, die mit ihrer hierarchischen Geschäftsstruktur ohnehin Überbleibsel des ausgehenden 19. Jahrhunderts seien. Diesen Ausblick in die Welt von morgen gab auf der Netzwerkveranstaltung „Zukunft des bewegten Bildes“ der Medienwissenschaftler Vinzenz Hediger von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität. Blockchain – bisher überwiegend bekannt aus dem Kontext der Kryptowährungen - sei die Technik, mit der der Kunde seine Aufmerksamkeit und seine Daten direkt vermarkten und in die Konsumption von Inhalten umsetzen könne, ohne die Aktion eines großen Vermittlers wie Facebook.

Abgesehen von diesem futuristisch anmutenden Szenario waren sich die Teilnehmer der von Katharina Bruns moderierten Podiumsdiskussion einig, dass das Fernsehen derzeit noch überraschend stabil sei. Die Bundesbürger säßen immerhin noch durchschnittlich 221 Minuten täglich vor dem Fernsehen, auch wenn dies deutlich weniger sei als die Werte des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Eckart Gaddum, Leiter der Hauptredaktion Neue Medien beim ZDF, gab jedoch zu bedenken, dass die starke Position seines Hauses vor allem auf die älteren Generationen zurückzuführen sei. Bei den Jüngeren sei ein starker Rückgang des Fernsehkonsums und eine erhebliche Fragmentierung zu beobachten. Auch Eberhard Volk, Geschäftsführer von RTL Hessen, sah die Jüngeren derzeit wegbrechen, und sie kämen auch nicht wieder, da sie sich anderer Kanäle und Formen des Konsums bedienten. Auf der anderen Seite sah er mittelfristig keinen Ersatz für das Fernsehen, da es bei großen Sportereignissen oder anderen Live-Ereignissen immer noch als „Lagerfeuer“ funktioniere. Auch sei es nach wie vor von Vielen erwünscht, eine Programmzusammenstellung angeboten zu bekommen.

Für die privaten Sender sah Volk allerdings wachsende Schwierigkeiten, da sie nicht von Gebühren leben könnten und bei jeder Produktion darauf achten müssten, dass die Kosten wieder eingespielt würden. Der deutschsprachige Raum sei verhältnismäßig klein und die internationale Vermarktung recht schwierig. Schon heute würden daher – nicht nur bei den Privaten – die Drehbücher mit Algorithmen auf die Publikumswirksamkeit überprüft. Die gemütlichen Zeiten seien aber auch für die öffentlich-rechtlichen Sender vorbei, meinte Gaddum, da es immer schwieriger werde, die gesamte Gesellschaft zu erreichen. Dann tauche schon immer stärker die Frage auf, ob diese Sender ihr Geld noch wert seien. Versuchen, mit ausgefeilten Techniken verlässlich Publikumserfolge produzieren zu können erteilte Hediger eine klare Absage. Trotz aller Bemühungen produziere Hollywood zu 80 Prozent Flops, und die gesamten Produktionskosten würden von nur 20 Prozent der Filme eingespielt. Es bleibe bei einer symmetrischen Ignoranz, niemand kenne den Markt im Voraus.


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