Clubhouse – drei Monate später

Bestandsaufnahme nach dem Hype und Blick in die Zukunft

12. Juli 2021 | 20:00 Uhr | Online bei ZOOM und als Livestream auf YouTube und Facebook
Zu Gast: Alina Fichter (Head of Digital Format & Product Development Deutsche Welle), Mark Heywinkel (Leiter Formatentwicklung ZEIT ONLINE), Felix Kovac (Geschäftsführer Unternehmensgruppe ANTENNE BAYERN), Peter Turi (Gründer und Geschäftsführer der turi2 GmbH)
Moderation: Nina Mülhens (FPC Vorstandsmitglied)

Foto © unsplash.com/@ademay

Der Hype um Clubhouse ist vorbei

Online Clubabend des FPC bringt Ernüchterung

Ernüchternd fiel die Bilanz über die Entwicklung der App Clubhouse aus, die das Podium vier Monate nach der letzten Veranstaltung zu dem Thema gezogen hat. Peter Turi, Geschäftsführer der turi2 GmbH, brachte es auf den Punkt: „Innerhalb von neun Wochen ist Clubhouse von cool zu uncool abgestürzt.“ Alle Gäste der gemeinsam mit der Evangelischen Akademie organisierten Veranstaltung gestanden ein, die App kaum noch zu nutzen. Felix Kovac, Geschäftsführer von Antenne Bayern, fragte sich, wie die Betreiber es zulassen konnten, dass die Euphorie über die Plattform so schnell verschwunden ist. Vor allem wurde bemängelt, es gebe nur noch wenig spannende Veranstaltungen und diese seien nur schwer zu finden. So berichtete Alina Fichter, bei der Deutschen Welle für die digitalen Formate verantwortlich, sie sei auf ein sehr interessantes Gespräch mit Edward Snowden nur durch reinen Zufall gestoßen. Vermisst wurde von den Diskutanten ein Orientierungssystem zum Auffinden von anregenden Diskussionen und ein Geschäftsmodell. Einen gewissen Nutzen wollte Mark Heywinkel, Leiter der Formatentwicklung bei Zeit Online, der App zugestehen, da man dort auch mal über den eigenen Tellerrand blicken und sich über ganz andere Themen informieren könne. Als weitere Mängel tauchten in dem Gespräch auf die Zeitintensität der Nutzung als Zuhörer und auch der Vorbereitung als Gastgeber auf. Man könne eben nicht nebenbei einem Forum lauschen, wie man mal einen Tweet beiläufig absetzt. Das Organisieren eigener Clubräume werde ebenfalls immer schwieriger, da prominente Gäste in der Regel die Frage nach der Reichweite stellten. Und diese sei in jedem Fall immer sehr überschaubar. Eine Chance für ein Wiederaufleben wollten die Gäste der App nur geben, wenn die Macher Geld in die Hand nehmen, interessante Veranstaltungen organisieren und einen nutzerfreundlichen Service wie z.B. ein Orientierungssystem anbieten. Auf die Frage von Moderatorin Nina Mülhens, ob die Plattform denn in den Bundestagswahlen eine Rolle spielen könnte, winkten die Fachleute ab und hoben demgegenüber TikTok hervor, das ein junges Publikum erreiche. Mit dem Abgesang auf Clubhouse wollte Alina Fichter sich jedoch nicht zufriedengeben. Nach ihrer Darstellung spielt Clubhouse in etlichen Diktaturen eine gute Rolle, indem es Freiräume für Oppositionelle schafft. Da die zahlenmäßige Nutzung meist gering sei, laufe das noch unter dem Radarschirm der Zensurbehörden. Sie warf zudem die Frage auf, wie Social-Audio-Formate denn funktionieren könnten und erwartete für die nächsten Jahre noch interessante Entwicklungen auf diesem Sektor. Nach der Online-Diskussion auf Zoom wurde das Gespräch noch eine Weile in Clubhouse fortgesetzt. Dort fanden sich auch einige aktive Nutzer der App, die die Abnahme der Teilnehmerzahlen in den Foren eher begrüßten. Clubhouse funktioniere von unten und dort gebe es in kleineren Gruppen sehr viel intensivere Gespräche als in den großen Veranstaltungen zu Beginn des Hypes. Nach diesem kurzweiligen und spannenden Abend werden Social-Audio-Formate den FPC sicher auch weiterhin beschäftigen.

Hier könnt ihr euch die Veranstaltung in voller länge anschauen!


Text: mü


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