Die Clubhouse App

Kurzer Hype oder neue Entwicklung?

03. März 2021 | 20:00 Uhr | Online bei ZOOM und als Livestream bei YouTube und Facebook
Zu Gast: Alina Fichter (Head of Digital Format & Product Development Deutsche Welle), Mark Heywinkel (Leiter Formatentwicklung ZEIT ONLINE), Felix Kovac (Geschäftsführer Unternehmensgruppe ANTENNE BAYERN), Peter Turi (Gründer und Geschäftsführer der turi2 GmbH)
Moderation: Nina Mülhens (FPC Vorstandsmitglied)

Foto © © unsplash.com/@ademay

Ein breiter Fächer voller Möglichkeiten

Experten diskutieren das Für und Wider der Clubhouse-App

Einen Blick in die Glaskugel, wie es weiter geht mit der derzeit so gehypten App Clubhouse, wollte niemand werfen. Zuviel ist dafür derzeit in Bewegung. Stattdessen einigte sich die hochkarätig besetzte Diskussionsrunde der FPC-Netzwerkveranstaltung darauf, in drei Monaten in derselben Konstellation eine erneute Bestandsaufname zu wagen. Die Clubhouse-App ist ein Audio-Format und bietet den Teilnehmern virtuelle Räume an, in denen sie sich frei von allen Hierarchien zu allen Themen austauschen können. Die Zahl der Diskutanten und Zuhörer bewegt sich von sehr intimen Treffen mit nur wenigen Gästen bis zu Veranstaltungen, bei denen mehrere tausend Teilnehmer anwesend sind und bei denen dann das Gespräch auch moderiert ist. Derzeit ist noch Voraussetzung für den Eintritt ein iPhone und die Einladung durch einen anderen Gast. Übereinstimmend beschrieben die Podiumsgäste an dem in Kooperation mit der Evangelischen Akademie veranstalteten Abend, eine neue Kultur des Zuhörens. Mark Heywinkel von Zeit-Online erwähnte die allmorgendliche Zeit-Konferenz in Clubhouse. Dabei komme es der Redaktion vor allem darauf an, Stimmungen zu erfassen und Themen frühzeitig zu erkennen. Bei diesem Format hätten sich schon bis zu 1600 „Clubhouser“ eingewählt. Peter Turi von dem Mediendienst turi2 berichtete, wie sein Team Anfang Februar in dieser Audio-App gestartet sei und auf ihren Veranstaltungen bis zu 700 Teilnehmer begrüßen konnte. Doch da sich das Angebot an Themen und Foren nahezu exponentiell entwickelt habe, seien allgemein die Zahlen der Gäste inzwischen rückläufig. Auf die Frage von Moderatorin Nina Mülhens nach dem Besonderen an Clubhouse meinte Alina Fichter von der Deutschen Welle, die Stimmen wirkten sehr intim und es gebe die Möglichkeit, fern von jedem Machtgefälle direkt mit Menschen aller Hierarchiestufen zu reden. Felix Kovac von Antenne Bayern hob auf die Interaktion ab. Jeder aus dem Publikum könne auf die Bühne kommen, auf Augenhöhe mit anderen sprechen. Peter Turi goss etwas Wasser in den Wein und beschrieb sein vielzitiertes Gespräch mit Alexander Birken, dem Vorstandsvorsitzenden der Otto-Group, wäre auch in einem anderen Kontext ähnlich locker verlaufen, da beide Protagonisten sich schon länger kannten. Die neue App habe aber inzwischen auch ihre Unschuld verloren, da jeder wisse, die virtuellen Räume seien eben doch nicht ganz so privat, wie es anfangs erschienen sei und es gehe insgesamt deutlich strukturierter zu. Unterschiedliche Aspekte beleuchteten die Diskutanten hinsichtlich des Nutzens oder Schadens von Clubhouse. Felix Kovac hob hervor, damit sei eine weitere Plattform entstanden, die den klassischen Medien Aufmerksamkeit entziehe und deren Geschäftsmodell zerstöre. Für Rundfunk-Sender sei es keine Option, Hörer auf Clubhouse zu lenken, da sie dann die Reichweite des Senders und folglich die Werbeeinnahmen verringerten. Alina Fichter sah in der neuen App vor allem eine Chance des Austauschs für Menschen, die unter Diktaturen lebten. Da Clubhouse derzeit nahezu ohne Regeln funktioniert, sah sie jedoch die Gefahr voraus, dies könne auch zu einer wichtigen Plattform für Verschwörungstheoretiker und Populisten werden. Zum Schluss fragte Co-Moderatorin Tamara Marszalkowski nach einem Ausblick in die Zukunft. Peter Turi meinte, Journalisten könnten Clubhouse zum Community Building, also zum offenen Gespräch mit den Nutzern ausbauen. Die Übernahme durch einen Großkonzern konnte sich Alina Fichter vorstellen. Felix Kovac hoffte, dass die Derzeit vorhandene Gesprächskultur mit guten Umgangsformen und Respekt füreinander erhalten bleibe, auch wenn demnächst eine Fassung für Android auf den Markt komme und damit die App viel breiteren Schichten offenstehe. Mark Heywinkel stelle sich die Frage, wie dann Journalisten in Räumen recherchieren könnten, die nicht öffentlich seien. Einig war sich das Podium, dass in den nächsten Wochen noch sehr viel passieren aber das Thema in drei Monaten in jedem Fall noch virulent sein wird.

Hier könnt ihr euch die Veranstaltung in voller länge anschauen!


Text: mü


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