Wird Upday wichtiger als die Bild-Zeitung?

Springer startet mit Samsung eine personalisierte News-App

19. Januar 2016 | Uhr | Wyndham Grand Hotel, Wilhelm-Leuschner-Straße 32
Gast: Jan-Eric Peters, langjähriger Chefredakteur der WELT-Gruppe, jetzt Stv. CEO von Upday
Moderation: Chris Berdrow, Leiter der Nachrichten - und Hessenredaktion bei HIT RADIO FFH
Jan-Eric Peters, © Rainer Rüffer

Jan-Eric Peters, © Rainer Rüffer

„Das nächste große Ding“

Damit stieg Chris Berdrow in das Gespräch mit Jan-Eric Peters ein. Gemeint ist die internationale App „Upday“, entstanden aus einer Kooperation zwischen Springer und Samsung, die seit September – zunächst in einer Beta-Phase in Deutschland und Polen, ab März 2016 europaweit – Lesern personalisierte Nachrichten liefert und auch über Breaking News auf dem Laufenden hält. Dabei ist Upday nicht nur einfach ein weiterer Aggregator. Vielmehr ist es ein News-Service, bei dem auch eine menschliche Redaktion eine tragende Rolle spielt.

Upday kommt sehr persönlich daher: „Schön, dass Du da bist“, heißt die News App seine Nutzer willkommen und verspricht Stories, die einen wirklich interessieren. Dafür legt der Upday-Nutzer bevorzugte Themen fest. Die Maschine liefert dann die gewünschten Inhalte und wertet außerdem das Leseverhalten aus, welche News wie lange gelesen wird, und verfeinert damit die Empfehlungen. Neben der Nachrichtenkategorie „you want to know“ steht bei Upday aber auch ganz klar „you need to know“ im Fokus: Anders als bei anderen Maschinen bietet die App auch „Top News“, die je nach Land von einem bis zu achtköpfigen Journalistenteam redaktionell bearbeitet werden. Dieses entscheidet, welche Nachricht den Nutzer in jedem Fall erreichen sollte.

Publisher-Plattform für höhere Reichweiten

Die News App versteht sich auch als Publisher-Plattform, durch die Verlage Reichweite generieren können. Denn Upday verlinkt Quellen direkt und hält sich streng an das Leistungsschutzrecht, das einst auch von Springer eingefordert wurde. Bei der Auswahl berücksichtigt die App Blogs, RSS-Feeds oder Videos ebenso wie Inhalte journalistischer Marken mit hohem Renommee. Aktuell verhandele man mit der Financial Times, verriet Peters an dem Abend, der als Chief Product Officer für die Vermarktung der News App verantwortlich ist. „Upday ist ein Produkt, das in einem Medienhaus entsteht, und nicht in einem Tech-Konzern“, betonte er. Das impliziert, dass die Bedürfnisse der Medienbranche in die Entwicklung der App mit einfließen. Finanzieren wird sich Upday voraussichtlich über Werbung, die aber nicht aufdringlich sein soll. In diesem Zusammenhang versicherte Peters, dass Nutzerdaten geschützt und nur für die Optimierung des News-Angebots genutzt werden.

Peters hat in der Vergangenheit DIE WELT für das digitale Zeitalter fit gemacht. Mit Upday betritt er nun weiteres neues Terrain und die Chancen für den Erfolg stehen aus seiner Sicht gut. Zum einen, weil die Anzahl mobiler Nutzer weiterhin steigt: 2015 war sie höher als die stationärer Nutzung. Personalisierung gewinne an Gewicht und 85 Prozent der Nutzer wünschen sich gebündelte Nachrichten, so wie es eben Upday bietet. Auch die Zusammenarbeit mit Samsung sei zukunftsträchtig. Schließlich entwickle der südkoreanische Konzern smarte Geräte – und wer weiß, vielleicht werden Upday-Nachrichten irgendwann einmal auf dem Monitor am Kühlschrank ausgespielt.


Fotos: © Rainer Rüffer

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