Importiert aus den USA

Online-Medien auf dem deutschen Markt

27. Juni 2017 | 19 Uhr | Evangelische Akademie, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main
Gast: Florian Eder (Managing Editor Politico) und Cherno Jobatey (Herausgeber Huffington Post)
Moderation: Uwe Vorkötter (Chefredakteur Horizont)

FPC-Netzwerkveranstaltung in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt

Unterschiedliche Arten von Journalismus, andere Zielgruppen, und differierende Geschäftsmodelle haben die Protagonisten der Netzwerkveranstaltung zu den Ablegern amerikanischer Online-Medien vorgestellt. In dem lichtdurchfluteten gläsernen Neubau der Evangelischen Akademie am Römerberg war der FPC exklusiv vor der eigentlichen Eröffnung zu Gast.

Die Huff-Post schreibt nach Darstellung ihres Herausgebers Cherno Jobatey schwarze Zahlen und bei dem in Brüssel erscheinenden Politico ist sich Managing Editor Florian Eder sicher, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Politico, das zum Springer-Verlag zählt, versteht sich als Fachmedium und bietet neben einer nachrichtlich gestalteten und kostenfrei zugänglichen Homepage und verschiedenen E-Mail-Newslettern auch vertiefend berichtende Dienste zu Schwerpunktthemen für Abonnenten an. Damit richtet sich das Online-Magazin an Entscheider, die mit Europa-Themen befasst sind und die diese Informationen unbedingt benötigen. Nach dem Prinzip Klasse statt Masse liegen die Kosten für ein solches Jahresabonnement bei über 5000 Euro. Das Online-Magazin wird von rund achtzig Redakteuren inklusive Korrespondenten in vielen europäischen Hauptstädten geschrieben.

Wesentlich weniger personalintensiv arbeitet die zum Burda-Verlag zählende Huff-Post. Laut Jobatey gestalten in München rund 20 Redakteure die Nachrichtenplattform. Die Huff-Post zielt vor allem auf ein breites und junges Publikum ab und passt sich auch den Konsumgewohnheiten dieser Altersgruppe an unter anderem durch viele Videoangebote. Jobatey möchte den einfachen Menschen „eine Stimme geben“, weshalb auf dieser Plattform an die 6000 Blogger publizieren. Die Besucher der Seite kämen zum großen Teil über Facebook und über einen WhatsApp-Newsletter, während E-Mail und Snapchat keine Rolle spielten. Nach seinen Angaben erreicht die Huff-Post rund 800.000 Leser am Tag.

Die ständige Auswertung der Social Media zähle zum Redaktionsalltag, meinte der Herausgeber. Oft gäben zahlreiche übereinstimmende Posts frühzeitig Hinweise auf noch nicht bekannte Nachrichten. So hätten sich die Vorgänge der Kölner Silvester-Nacht deutlich in Facebook wiedergespiegelt, entgegen allen Darstellungen von offiziellen Stellen, es gäbe keine besonderen Vorkommnisse. Aufgrund der neuen Medien hat sich laut Jobatey auch das Berufsprofil der Journalisten stark geändert: früher sei es die Aufgabe der Redakteure gewesen, Texte zu verfassen. Heute dagegen müsse ein Journalist Suchmaschinenoptimierung beherrschen, in der Social-Media-Kommunikation fit sein und auch Videos drehen können.


Fotos @ Rainer Rüffer

Mit freundlicher Unterstützung von

Evangelische Akademie Frankfurt