Oh Bots!

Fake News, Chatbots, Facebook: Wird die Bundestagswahl in den sozialen Medien entschieden?

15. März 2017 | Uhr | Internationales Familienzentrum e.V., Wiesenhüttenplatz 33, Frankfurt am Main
Gast: Katharina Nocun, Dr. Peter Tauber, CDU-Generalsekretär
Moderation: Jan Eggers, Hessischer Rundfunk

Grobheiten, Beleidigungen, Hasstiraden und Hetze gehen auch an erfahrenen Social-Media-Nutzern nicht spurlos vorüber. So berichtete Netzaktivistin Katharina Nocun auf der FPC-Netzwerkveranstaltung „Oh Bots!“, dass sie vorübergehend die Kommentarfunktion ihres Blogs abgeschaltet habe. Nach der Kommentierung des Wahlprogramms der AfD sei eine Welle des Hasses über sie hereingebrochen. Dabei seien Äußerungen gefallen wie „geh´doch, Dich erhängen!“, berichtete die Bürgerrechtlerin, die früher einmal politische Geschäftsführerin der Piratenpartei war.

Auch CDU-Generalsekretär Peter Tauber gestand ein, manche Kommentare hätten ihn sehr verletzt. Beide Diskutanten sprachen sich jedoch gegen eine Aufhebung der Anonymität im Netz aus. Zum einen würden diese Verbalattacken ohnehin meist unter dem Klarnamen geritten und zum anderen habe der Bürger im Netz wie auch im Supermarkt ein Recht auf Anonymität. Für den beginnenden Bundestagswahlkampf räumte Tauber den Social Media eine wichtige Rolle ein. Um nicht von Trollen auf Nebenschauplätze gelockt zu werden, müsste immer wieder der eigene Content im Netz publiziert werden. Als positiv wertete er, dass sich die meisten Parteien öffentlich verpflichtet hätten, keine Bots einzusetzen. In der Realität sei dies allerdings schwer zu überprüfen, da auch Dritte im Namen von Parteien mit Bots agieren könnten, ohne dass dieser Missbrauch leicht nachweisbar wäre. Tauber sieht aber die traditionelle direkte Ansprache der Bürger immer noch als wichtiger an als den Online-Wahlkampf.

In dem von Jan Eggers geleiteten Podiumsgespräch tauchte immer wieder der Wunsch nach einer anderen Diskussionskultur im Netz und nach Regelungen auf. Allerdings fiel bei jedem Gedanken an bessere Regelungen schnell das Gegenargument. Zum Beispiel sei ein generelles Verbot von Bots nicht sinnvoll, da dies nur eine Technik sei, die nicht per se gut oder böse sei. Schließlich gebe es auch nützliche Bots wie zum Beispiel für Rechtschreibung. Einig war sich das Podium in dem Wunsch, dass die Schulen die Kinder schon frühzeitig mit dem Nutzen des Netzes und seinen Schattenseiten vertraut machen und den kritischen Umgang damit lehren müssten.


Mit freundlicher Unterstützung von

Internationales Familienzentrum e.V.