Media Fail Night

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Medium Magazin

24. Oktober 2017 | 19 Uhr | Korrekt, Mainzer Landstraße 229, 60329 Frankfurt
Zu Gast: Joachim Braun (Chefredakteur Frankfurter Neue Presse), Philipp Schild (Leiter Content Team bei FUNK), Sara Schurmann (Redaktionsleiterin des F-Mag), Uwe Vetterick (Chefredakteur Sächsische Zeitung), Jan Vorderwülbecke (Programmchef hr3 und Youfm)
Moderation: Katharina Bruns, Leitende Redakteurin Sonderpublikationen beim Journal Frankfurt

Fünf spannende Projekte, fünf interessante Referenten und jede Menge Lehren für die Zukunft - das hat die FPC-Netzwerkveranstaltung „Media Fail Night“ den zahlreichen Gästen am Dienstagabend in der hippen Location, dem Korrekt, geboten. Sara Schurmann, heute Textchefin von Vice, hatte Anfang des Jahres zusammen mit Kolleginnen aus der Henri-Nannen-Schule ein neues Magazin mit dem Titel F-Mag für ein sehr junges Publikum entwickelt. Mit ihrer Präsentation der frischen und originellen Konzeption begeisterte sie das Publikum so, dass viele es sofort gekauft hätten. Aber Gruner + Jahr stellte es nach der ersten Ausgabe ein, weil nur 26.000 Exemplare über den Tresen gingen. Das Problem, dass wahrscheinlich dazu führte: Wie erreiche ich die junge Zielgruppe, die überwiegend im Internet ist, heute mit Print?

Der Chefredakteur der FNP, Joachim Braun, berichtete aus seiner Zeit als Chef des Nordbayerischen Kuriers. Die Redaktion hatte eine Landkarte aufgesetzt, mit deren Hilfe die Leser die Nachrichten geographisch abrufen konnten. Leider, berichtete Braun, habe das niemanden interessiert. Auch das Auffüttern mit Busabfahrtszeiten und Benzinpreisen habe das Interesse nicht geweckt. Mit einer althergebrachten Marke „Nordbayerischer Kurier“ habe der Verlag die internetaffinen jungen Menschen, die so ein Angebot vielleicht nutzen würden, eben nicht erreicht. Erfolglos sei auch der Versuch gewesen, das Projekt wirtschaftlich zu gestalten. Restaurants hätten für 10 € pro Monat ihre Speisekarte einstellen können. Auf solche kleinteilige Akquisition sei jedoch der Verlag nicht eingestellt gewesen.

Zudem stellte Braun das Format Fupa vor, von dem sich die Zeitung eine gute Kooperation gewünscht hatte und damit eine Lücke im Lokalsport schließen wollte. Die Plattform auf der Vereine ihre Ergebnisse sowie Infos zu Spielern usw. platzieren können lief leider nicht so, wie erwartet. Zu wenig Infos wurden generiert. Nicht jeder Verein stellte Material online.

Von großen Zahlen berauschen lassen, hatte sich Jan Vorderwülbecke, Programmchef von hr 3 und YouFm. 8.181.330 Upload-Abrufe machten den Jugendsender YouFm vorübergehend zum erfolgreichsten Sender auf Youtube. So gefragt waren die Produktionen der Youtuberin Coldmirror, alias Katrin Fricke, die die Zielgruppe der jungen Wilden, also das Alter um 22 Jahre angesprochen hatte. Aber YouFm hat eher die Altersgruppe von 29 Jahren aufwärts im Visier. Beides passte gar nicht zusammen, da half auch die Nominierung für den Deutschen Radio-Preis nicht. Die Jungen wollten nur Coldmirror und die Älteren konnten mit dieser Art von Humor nichts anfangen. In diesem Fall harmonierten Inhalt und Marke genau so wenig, wie Bier in Sektgläsern, was Vorderwülbecke anschaulich vorführte.

Auf einer Leserbefragung basierte das Konzept, das Uwe Vetterick für die Wochenzeitung auSZeit entwickelt hatte. Da nach einem Jahr aber nur 1000 statt der erhofften 10.000 Abonnenten geworben waren, wurde diese wieder eingestellt. Vetterick zog daraus zwei Lehren: Sie hatten den Lesern nicht wirklich zugehört. Diese hatten immer wieder betont, Dresden sei ihr Kosmos, ihre geliebte Stadt. Dessen ungeachtet hätten die Redakteure 2014 exzessiv über Pegida berichtet, was die Gesellschaft zutiefst gespalten habe. Das aber hätten die Menschen nicht lesen wollen. In dieser Situation wäre ein konstruktiver Journalismus gefragt gewesen. Der zweite Fehler sei der Versuch gewesen, Nicht-Leser über den Kiosk-Verkauf zu erreichen. Denn Nicht-Leser gingen eben nicht mehr zum Kiosk. Aus diesem Grund werde er nur noch Produkte mit digitalem Vertriebsweg entwickeln.

Der Leiter des Content Teams des Jugendangebots von ARD und ZDF, Philipp Schild, brach eine Lanze für das Scheitern. Nur dürfe man auf keinen Fall zweimal an der gleichen Sache scheitern. Deshalb müsse dringend über die Gründe des Misserfolges geredet werden. Scheitern sollte nicht als Schwäche gesehen werden und nicht totgeschwiegen. Nach allerlei Niederlagen in seinem Leben könne er jetzt bei FUNK das Scheitern als Konzept leben. Auf dem schnellen jungen Markt hätte Fernsehen ohnehin keine andere Chance als zu riskieren und zu probieren.

Alle Redner waren sich in einer Sache einig: Scheitern gehört zum Leben und sollte in unserer Gesellschaft nicht als Versagen, sondern vielmehr ein Moment des Lernens sein, um es beim nächsten Mal besser zu machen.

Text: mü

Fotos © Rainer Rüffer


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